„Die Jugend ist unsere Zukunft“ – mit diesen Worten wurde der letztjährige Jugendpolitiktag der Konrad-Adenauer-Stiftung eröffnet. Dieser hoffnungsvollen Verkündung stehen allerdings Zahlen gegenüber, die auf hohe Belastungen der jungen SchülerInnen hindeuten: 18 Prozent der Kinder und jeder fünfte Jugendliche (19 Prozent) in Deutschland leiden unter deutlich erhöhtem Stress [1]. Zudem sind ca. 27 % aller Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren in Deutschland von psychischen oder psychosomatischen Erkrankungen betroffen [2].

Von einem Jugend-Nachwuchsspieler ist in einer vollen und durchgetakteten Woche von Schule über Hausaufgaben (ggf. mit Betreuung in der Schule) und täglichem Training viel Disziplin im Alltag gefragt. Wenn die auf der Strecke bleibt, sind Leistungseinbußen in Schule und Training nicht selten das Resultat. Holger Ziegler ist sich sicher, dass Kinder Angst haben, ihre Eltern zu enttäuschen [1]. Das Thema Erwartungshaltung lässt sich ebenso auf andere wichtige Autoritäts- oder Bezugspersonen beziehen, wie z.B. den Trainer. Junge Athleten entwickeln auf Basis einer mangelnden Feedbackkultur durch den Coaches oft innere Unruhe und Demotivation. Auf diese Weise kann das Verhältnis zum Trainer zu einem Symptomkomplex führen, das dem Burnout Nahe kommt [3]. Eine Untersuchung (an 18 bis 24-jährigen Athleten) berücksichtigte diese Beobachtungen und stellte fest, dass eine eher negativ wahrgenommene Beziehung zum Trainer mit reduzierten Erfolgserlebnissen (z. B. „Ich habe in meinem Sport nicht viel erreicht“), erhöhten emotionalen und physischen Erschöpfungszuständen (z. B. „Ich fühle mich durch die mentalen und physischen Anforderungen meines Sports erschöpft“) und einer Abwertung des Sports (z. B. „Ich habe negative Gefühle für meine Sportart“) korreliert [4].

Die Angst vor Enttäuschung ist omnipräsent und resultiert nicht selten in Versagensängsten, wodurch das Selbstwertgefühl und damit das Wohlbefinden maßgeblich leidet. Die mentale Doppelbelastung zwischen Schule und Leistungssport in einer sensiblen Phase der Persönlichkeitsentwicklung und des körperlichen Wachstums muss von allen Bezugspersonen berücksichtigt werden. Es gilt, negativen Emotionen frühzeitig vorzubeugen.

Psychische Konflikte können auch die Funktionalität des Immunsystems beeinflussen. Eine Übersichtsarbeit integriert die Erkenntnisse, dass 1) anhaltender psychischer Stress häufig mit regelmäßigen wettkampforientierten Trainingsbelastungen verbunden ist und 2) sich individuelle Unterschiede hinsichtlich Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl auf die Verletzungswahrscheinlichkeit sowie die Genesung nach Verletzungen auswirken [5]. Die Autoren diskutieren, inwieweit sich zum einen psychischer Stress auf das Gleichgewicht des Immunsystems und damit auf die Gesundheit auswirkt, zum anderen ob Athleten mit geringem Selbstwertgefühl (aufgrund des synergistischen Zusammenwirkens von physischem und psychischem Stress) besonders anfällig für gesundheitliche Folgen sind.

Zudem konnte an 274 Athleten (13.8 ± 1.5 Jahre; 285 Gleichaltrige in der Kontrollgruppe) anhand eines Fragebogens ermittelt werden, dass der wahrgenommene Stress der jugendlichen Athleten (bei 10-20 Stunden wöchentlichem Training) mit zunehmenden Trainingsumfang pro Woche signifikant ansteigt [6]!

Überbeanspruchungen des muskuloskelettalen Apparates gehören zu den häufigsten Verletzungen bei Kinder- und Jugendsportlern [8]. Eine nicht ausreichende Regeneration fördert die Verletzungsanfälligkeit und kann sich negativ auf eine Burnout-Symptomatik auswirken. Der Autor [8] vertritt dabei die Meinung, dass Eltern die Hoffnung haben, ihr Kind werde ein Stipendium erhalten, Profisportler werden oder die unerfüllten Kindheitsträume der Eltern erfüllen. Es sei allerdings besser, die Motivation und die Ziele des Kindes zu verstehen und den Nachwuchs bestmöglich autonomiezentriert zu unterstützen. Dafür sollten nicht nur Eltern, sondern auch Trainern und den Athleten selbst Leitlinien bzw. Orientierungshilfen zur Verfügung gestellt werden.

Ein höheres Stresslevel und negative Gedankenspiralen beeinträchtigen zudem die Schlafquantität und -qualität, von denen nicht nur ein gesunder Immunstatus, sondern auch eine adäquate Regeneration abhängt. Deshalb ist es wenig überraschend, dass Athleten zwischen 12 und 18 Jahren eine um Faktor 1,7 höhere Verletzungswahrscheinlichkeit haben, wenn sie weniger als 8 Stunden pro Nacht schlafen [7]. Mit den Nebenwirkungen der Digitalisierung und dem permanenten Kontakt zu Geräten mit hochfrequenter Strahlung (v.a. Smartphones) ist ein regenerierender Schlaf heute bedrohter denn je.

[1] Holger Ziegler, Bielefeld (Paper beim Autor angefragt, finde es nicht! Ansonsten Zeitungsartikel zitieren?)

[2] Barkmann C, Schulte-Markwort M. Prevalence of Emotional and Behavioral Disorders in German Children and Adolescents – a Meta-Analysis. J Epidemiol Comm Health 2015; 66: 194-203

[3] DeFreese, J. D., & Smith, A. L. (2014). Athlete Social Support, Negative Social 1 Interactions, and Psychological Health Across a Competitive Sport Season. Journal of Sport & Exercise Psychology, 36, 619-630.

[4] Gustafsson, H. et al. (2015). Associations between the Perceived Quality of the Coach-Athlete Relationship and 1 Athlete Burnout: an Examination of the Mediating Role of Achievement Goals. DOI:10.1016/j.psychsport.2015.08.003

[5] Clow, A. & Hucklebridge, F. (2001). The impact of psychological stress on immune function in the athletic population. Exerc Immunol Rev.;7:5-17.

[6] Blume, K. et al. (2018). Training Load, Immune Status, and Clinical Outcomes in Young Athletes: A Controlled, Prospective, Longitudinal Study. doi:10.3389/fphys.2018.00120

[7] Milewski, M.D. et al. (2014). Chronic Lack of Sleep is Associated With Increased Sports Injuries in Adolescent Athletes. J Pediatr Orthop 2014;34:129–133.

[8] Brenner, J.S. (2007). Overuse Injuries, Overtraining, and Burnout in Child and Adolescent Athletes. doi:10.1542/peds.2007-0887