Weibliche Athleten auf dem Vormarsch: Bei den Olympischen Spielen in Rio 2016 waren 46% aller teilnehmenden Athleten weiblich. Bei den olympischen Jugendspiele zwei Jahre zuvor lag der Anteil sogar bei 48%. Die wachsende Zahl weiblicher Athleten hat längst ein Niveau erreicht, das ein besseres Verständnis des weiblichen Körpers im Kontext der Leistungsfähigkeit erfordert.

Offensichtlich, aber dennoch häufig nicht berücksichtigt: Der Menstruationszyklus als prominentester Unterschied zwischen der männlichen und weiblichen Physiologie findet in der Trainingsplanung nur selten Beachtung. Zu Recht? Untersuchungen zeigen, dass die Ovarialhormone die Leistungsfähigkeit signifikant beeinflussen können. Aufgrund der unterschiedlichen Ausschüttung dieser Hormone in den beiden Phasen des Menstruationszyklus (Follikel- und Lutealphase) (Abb. 1) kann deshalb von einer „zyklischen Performance“ gesprochen werden. Östrogene fördern im Allgemeinen die Gefäßerweiterung, die Wärmeabgabe und eine niedrigere Körpertemperatur (Follikelphase), während Progesteron oder Progestine in der Lutealphase im Allgemeinen den entgegengesetzten Effekt zeigen [1].

Interessante Ergebnisse lieferten Pivarnik et al. [2], die zeigen konnten, dass die Körperkerntemperatur weiblicher Probanden, die sich in der Lutealphase befanden, schon vor dem Training um 0,3°C höher lag als die der Probanden in der Follikelphase. Dieser Unterschied stieg bis zum Ende des Trainings signifikant auf 0,6°C an. Darüber hinaus schätzten die Teilnehmer die subjektive Belastungsempfindung signifikant höher ein. Interessant ist, dass diese Unterschiede bei einer Probandin, die keinen nennenswerten Anstieg der Progesteronlevel zeigte, nicht zu beobachten waren. Damit stellt das Verhältnis von Östrogen zu Progesteron möglicherweise ein Indikator für die aktuelle Leistungsfähigkeit der Athletinnen dar.

Und warum ist die Körperkerntemperatur überhaupt interessant? Tatsächlich ist bekannt, dass der Anstieg der Körperkerntemperatur, also eine sich entwickelnde Hyperthermie einen maßgeblichen Einfluss auf die kognitive und körperliche Leistungsfähigkeit hat (Abb. 2). Die Wirkzusammenhänge sind äußerst komplex und jegliche Erläuterung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Eine Möglichkeit zur Senkung der Körperkerntemperatur ist das Kühlen der Handinnenflächen. Dieses sogenannte „Palm Cooling“ erhöht die Leistungsfähigkeit signifikant [3] und verzögert darüber hinaus den Erschöpfungseintritt einer Patientengruppe, bei der chronische Erschöpfung und Wärmeempfindlichkeit häufig zu beobachten sind [4].

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Pille – ja oder nein? Als Athletin ist das so eine Sache. Es konnte gezeigt werden, dass die Einnahme von oralen Kontrazeptiva die Testosteron- und Cortisolsekretion während und nach Trainings- und Wettkampfreizen signifikant verringert [5]. Diese Hormone spielen allerdings eine wichtige Rolle bei der Energieregulation sowie motivationalen und regenerativen Prozessen.

Auch die sogenannte Athletische Triade (die Kombination aus Essstörung, ausbliebender Periode und Osteoporose) als negative Konsequenz steigender Trainingsumfänge und -intensitäten gilt es zu beachten, gegen die immer effektivere Präventions- und Rehabilitationsmaßnahmen entwickelt werden [6]. Diagnostisch gilt es folgende Aspekte zu berücksichtigen und durch adäquate interdisziplinäre Betreuung entgegenzuwirken:

  • Optimale Energieverfügbarkeit -> Reduzierte Energieverfügbarkeit -> Niedrige Energieverfügbarkeit
  • Optimale Knochengesundheit -> Niedrige Knochendichte -> Osteoporose
  • Eumenorrhö -> Subklinische Menstruationsstörung -> Funktionelle Hypothalamische Amenorrhö

Unverständlich? Dann fragen Sie bitte Ihren Arzt oder Apotheke. Spaß beiseite – das ist ein nicht selten vorkommender Symptomkomplex, der zur Lösung die Expertise erfahrene Betreuern verlangt und nicht unterschätzt werden darf.

Abb. 1: Beispielhafte Darstellung eines Menstruationszyklus mit typischem Verlauf der Körpertemperatur, der Ausschüttung der Hormone und dem Gebärmutterzyklus. Quelle: [7]

Abb. 2: Möglicher Einfluss der überwiegenden Ovarialhormone in der Lutealphase auf die Erschöpfungssymptomatik während sportlicher Aktivität aufgrund einer Steigerung der Körperkerntemperatur. Komplexe, hier nicht diskutierte Wirkmechanismen sind transparent dargestellt**. Modifiziert nach [8]

Insgesamt ist es also erfreulich, dass immer mehr weibliche Sportler Hochleistungssport betreiben. Gleichzeitig stellt sich jedoch die Frage nach einer möglichst optimalen Vorbereitung und Betreuung. Um ein individuelles und athletenzentriertes Coaching im weiblichen Hochleistungssport zu fördern, ist ein tieferes Verständnis der geschlechtsspezifischen Physiologie, aber auch der Psychologie unabdingbar. Daher gilt es, ein interdisziplinäres und kooperationsfähiges Expertenteam um eine Athletin herum aufzubauen.

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[1] Charkoudian, N. & Stachenfeld, N.S. (2014). Reproductive Hormone Influences on Thermoregulation in Women. DOI: 10.1002/cphy.c130029[2] Pivarnik, J.M., Marichal, C.J., Spillman, T. & Morrow, J.R. (1992). Menstrual cycle phase affects temperature regulation during endurance exercise. J. Appl. Physiol. 72(2): 543-548.[3] sub Kwon, J., Robergs, R.A. et al. (2010). Palm Cooling Delays Fatigue during High-Intensity Bench Press Exercise. DOI: 10.1249/MSS.0b013e3181d34a53

[4] Grahn, D.A., Murray, J. & Heller, H.C. (2008). Cooling via one hand improves physical performance in heat-sensitive individuals with Multiple Sclerosis: A preliminary study. BMC Neurology 2008, 8:14. DOI:10.1186/1471-2377-8-14

[5] Crewther, B.T., Hamilton, D., Casto, K., Kilduff, L.P. & Cook, C.J. (2015). Effects of oral contraceptive use on the salivary testosterone and cortisol responses to training sessions and competitions in elite women athletes. Physiol Behav. Volume 147, 1: 84-90.

[6] De Souza, M.J. et al. (2014). 2014 Female Athlete Triad Coalition Consensus Statement on Treatment and Return to Play of the Female Athlete Triad: 1st International Conference held in San Francisco, California, May 2012 and 2nd International Conference held in Indianapolis, Indiana, May 2013. Br J Sports Med. 2014 Feb;48(4):289

[7] Internetquelle. FRAUENARZT DR. PETER FRÜHMANN. In: https://www.dr-fruehmann.at/gesundheitsvorsorge/menstruation/. Aufgerufen am 15.11.2018

[8] Hasegawa, H. & Cheung, S.S. (2013). Hyperthermia effects on brain function and exercise capacity. J Phys Fitness Sports Med, 2(4): 429-438