Grünzeug bleibt bei Kindern und Jugendlichen gerne auf dem Teller liegen. Doch Brokkoli, Salatgurken, Möhren und Co. sind nicht nur vollgepackt mit Mikronährstoffen, die unsere 100 Billionen Körperzellen mit lebenswichtigen Mineralien, Spurenelementen und Antioxidantien versorgen – auch der vermeintliche Abfall hat seinen Nutzen! Ballaststoffe in Gemüse, Hülsenfrüchten, Nüssen etc. füllen nicht nur den Magen, sondern dienen auch Bakterien im Dickdarm als Fermentationsquelle. Vor allem die daraus produzierten kurzkettigen Fettsäuren (SCFA) wie Propionat und Butyrat sind für unsere Gesundheit unglaublich wichtig. Aber keine Sorge: SCFAs machen alles andere als dick.

Mehr als nur Abfall: Ballaststoffe sind Treibstoff für dein Immunsystem!

Die Wirkungsweise kurzkettiger Fettsäuren im Überblick:

  • Verbesserte Immunfunktion durch Stimulierung von regulatorischen T-Zellen [1]
  • Reduktion entzündlicher Prozesse [2]
  • Produktion von Hormonen [3]
  • stabilere Darmschleimhaut [4].

Zwar steckt die Darmforschung noch in den Kinderschuhen, aber vieles lässt sich bereits heute aus Beobachtungsstudien ableiten. So wurde z.B. festgestellt, dass Diabetiker weniger von der kurzkettigen Fettsäure Butyrat im Darm produzieren. Nehmen Diabetiker allerdings regelmäßig Metformin (das Standardpräparat zur Blutzuckerregulierung), dann steigen die Butyratwerte wieder an [8, 9]. Grund dafür ist offenbar die erhöhte Präsenz von Lactobazillen, die von Haus aus Butyrat produzieren. Auf der anderen Seite beschleunigt Metformin jedoch auch das Wachstum von E.coli, was die Antwort auf die oft begleitenden Darmstörungen von Diabetikern während einer Metformin-Behandlung sein könnte. Auch beim Thema Darmkrebs stehen präventivmedizinische Effekte mit Butyrat in Verbindung [5 – 7]. Studien zufolge reduziert Butyrat Entzündungen und Motilität im Darm. Dadurch werden Apoptose-Prozesse (programmierter Zelltod) und potentielles Tumorwachstum gehemmt.

Wenn es um die schlanke Linie geht, zeigt sich die Studienlage (noch) indifferent: Butyrat sorgt für ein schnelleres Sättigungsgefühl, einen reduzierten Körperfettanteil und eine verbesserten Insulinsensitivität. Diese Studien wurden allerdings mit Mäusen durchgeführt, denen Butyrat und eine sehr fettreiche Nahrung gefüttert wurde. Von daher ist fraglich, ob Tiermodelle eins zu eins auf den Menschen übertragbar sind [10]?

Ketone im Darm – Geheimwaffe gegen metabolische Erkrankungen und Krebs?

Wissenschaft ist nie absolut. Manche Daten gelten als gesichert, andere müssen wiederum durch vergleichbare Studien validiert werden. Ein Beispiel ist die Veränderung des pH-Wertes im Darm durch SCFAs. Kurzkettige Fettsäuren wirken signifikant hemmend auf das Potential pathogener Bakterien, sich im Darm weiter auszubreiten. Acetat beispielsweise unterstützt Bifidobakterien dabei, schädliche Darmbakterien zu unterdrücken [11]. Ebenso wurde festgestellt, dass Butyrat ein wichtiger Nährstoff für die Darmschleimhaut ist. Diese hilft dem Körper, die Kommunikation zwischen Immunsystem und der Darmflora zu verbessern und dadurch die Durchlässigkeit der Darmschleimhaut zu regulieren. Dies ist vor allem für Krankheiten wie Colitis Ulcerosa und Morbus Crohn von Interesse [12]. Aber auch im Stoffwechsel spielen kurzkettige Fettsäuren eine wichtige Rolle:

Während des intestinalen Absorptionsprozesses werden Teile der SCFAs, hauptsächlich Butyrat, von den Kolonocyten metabolisiert, während der Rest in die Leber transportiert wird. In der Leber werden die SCFAs zur Lipo- und Gluconeogenese herangezogen. Propionat dient hauptsächlich der Neubildung von Glucose, während Acetat und Butyrat für die Lipid-Biosynthese genutzt werden. [13]

Auf diese Weise werden dem Organismus Ketone zur Verfügung, die vor allem im Gehirn direkt verstoffwechselt werden können. Aufgrund leichter Verdaulichkeit können Ketone auch vielen anderen Körperzellen als schnell zugängliche Energiequelle dienen. Sorgen um die Entstehung von Übergewicht sind allerdings unangebracht: Um in einen kritischen Bereich zu gelangen, müsste quasi nonstop eine große Menge an Ballaststoffen zugeführt werden!

Ausreichend Ballaststoffe sollten also unbedingt Bestandteil einer gesunden Ernährung sein. Auch wenn die Effekte auf die Körperkomposition in der Wissenschaft noch kontrovers diskutiert werden, so gilt bereits heute als gesichert, dass Ballaststoffe  antiinflammatorisch und antikanzerogen wirken –  nicht schlecht für vermeintlichen Abfall!

  1. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4258155/
  2. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25198138
  3. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC3323649/
  4. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4523476/
  5. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20346929
  6. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4346754/
  7. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/22797568
  8. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4681099/
  9. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/23719380
  10. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2699871/
  11. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21270894
  12. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4637104/
  13. https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4756104/