Keine Macht der Zuckerlobby: Wie Chile der Volksverfettung den Kampf ansagt!

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Keine Macht der Zuckerlobby: Wie Chile der Volksverfettung den Kampf ansagt!

Der Kampf gegen Übergewicht scheint verloren. Kaum eine Nation auf der Welt ist nicht von der Epidemie der schleichenden Volksverfettung betroffen. Insbesondere Lateinamerika und die Karibikstaaten stehen aktuell im Fadenkreuz. Wissenschaftler vermuten, dass hier die Übergewichtsrate bis 2030 Spitzenwerte erreicht. Um dieser Entwicklung mit aller Staatsmacht entgegenzutreten, hat die Regierung von Chile 2014 erste radikale Gegenmaßnahmen eingeleitet – mit Erfolg! Während zahlreiche Ernährungsfachverbände immer noch hartnäckig an alten Empfehlungsmustern kleben wie Fliegen am Fliegengitter (z.B. Fett macht Fett), hat sich Chile den dramatischen Anstieg des Zuckerkonsums vorgeknöpft.

Zuckersteuer? – freiwillig oder muss der Gesetzgeber eingreifen?

Ein zentrales Problem, das die chilenische Regierung bekämpfen will, ist versteckter Industriezucker. Denn viele ahnungslose Verbraucher wissen überhaupt nicht, welche Unmengen sie davon täglich verschlingen, weil die Lebensmittelindustrie geschickt zu täuschen weiß. Dass viel Trinken (insbesondere in diesem Jahrhundertsommer) wichtig ist, weiß jedes Kind. Und Softdrinks schmecken nicht nur den meisten Kids besser als pures Wasser. Um „Zuckerwasser“ den Kampf anzusagen, hat Chiles Regierung die Steuern auf Getränke mit einem Zuckergehalt über 6,25 g pro 100 ml von 13% auf 18% erhöht. Softdrinks mit einem niedrigeren Zuckergehalt werden sogar mit einem Steuernachlass belohnt (von 13% auf 10%). Obwohl sich dieser Unterschied von 8% auf den ersten Blick nicht nach sonderlich viel anhört, sprechen die Ergebnisse eine unmissverständliche Sprache:

Wunderheilung? Chiles Ergebnisse nach einem Jahr sprechen für sich!

Bereits ein Jahr nach Einführung des neuen Gesetzes sank der monatliche Umsatz zuckerreicher Softdrinks um sage und schreibe 21,6%! Unter dem Strich nahm jeder chilenische Bürger durchschnittlich 15,1% weniger Zucker in Form von Softdrinks zu sich. Dies sind die ersten wissenschaftlichen Ergebnisse aus Chiles Kampf gegen die Zuckerlobby – sie sprechen für sich! Eine Regierung kann den Kampf gegen Übergewicht also durchaus steuern, wenn sie will. Und Chile ist bereits zwei Schritte weiter: Produkte, die reich an Zucker, gesättigten Fettsäuren, Salz oder Kalorien sind, müssen mit einem Warnhinweis auf der Verpackung versehen werden! Dadurch können unwissenden Verbraucher leichter ungesunde Produkte identifizieren. Effektiv sind auch Chiles Werbeverbote: Alle Produkte, die mindestens eine der oben genannten Kennzeichnungen tragen, dürfen in der Werbung nicht mehr auf Kinder unter 14 Jahren abzielen. Auch die Kombination dieser Dickmacher mit Spielzeug oder Zeichentricksuperhelden ist in der chilenischen Werbung nicht mehr zulässig!

Chile macht der Welt also vor, wie ein Staat das Ernährungsverhalten seines Volkes positiv beeinflussen kann! Ganz im Gegensatz zu Deutschland, denn in unserer neuen Bundesregierung ist man der Meinung, die Fettsteuer in Dänemark habe auch keinen Effekt erzielt. Deshalb mache die Zuckersteuer in Deutschland keinen Sinn. Vielleicht kann jemand unserer neuen Ministerin für Landwirtschaft kurz erklären, dass Fett nicht gleich Zucker ist und man Erbsen nicht mit Bohnen vergleichen sollte, wenn man verantwortlich für die staatlichen Ernährungsempfehlungen ist.

Nakamura, R., Mirelman, A., Cuadrado, C., Silva, N., Dunstan, J., & Suhrcke, M. E. (2018). Evaluating the 2014 Sugar-Sweetened Beverage Tax in Chile: An Observational Study in Urban Areas. PLoS Medicine.

2018-08-02T13:06:48+00:0002.08.2018|Medizin|0 Kommentare

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