Blinder Ehrgeiz – oder wie Du Übertraining vor einem Wettkampf vermeidest!

//Blinder Ehrgeiz – oder wie Du Übertraining vor einem Wettkampf vermeidest!

Blinder Ehrgeiz – oder wie Du Übertraining vor einem Wettkampf vermeidest!

Nur noch 3 Wochen bis zum Wettkampf. Für viele Athleten das Signal, in der Vorbereitung auf die Tube zu drücken – sei es durch längere Trainings, durch zusätzliche Einheiten oder durch höhere Intensität. Viele ambitionierte Wettkämpfer steigen in dieser wichtigen Phase nochmal einmal mächtig aufs Gas. Nicht ohne Risiko, denn wer unter starker Ermüdung trainiert, geht damit ein erhöhtes Verletzungsrisiko ein. Nicht nur Sehnen, Muskeln und Bänder sind gefährdet: Wie eine neue Studie eindrucksvoll belegt, ist die Bandbreite potentieller Gefahren deutlich größer!

Nadel in der Wade: Die präziseste Messung der Nervenaktivität!

17 gesunde Triathleten und Radrennfahrer nahmen an der Untersuchung teil. Simuliert wurde die eben beschriebene Situation: Während die Kontrollgruppe ihr normales Trainingsregime absolvierte, erhöhte die Interventionsgruppe ihr Pensum um 50% über einen Zeitraum von 3 Wochen. Vor und nach der Intervention wurde die Aktivität des Sympathikus in der Muskulatur (im Folgenden als MSNA bezeichnet = Muscle Sympathetic Nerve Activity) gemessen. Was sich wie eine Routine-Messung anhört, ist alles andere als normal: Um die MSNA zu bestimmen, muss eine hauchdünne Nadel mit Mikro-Elektrode in einen Nerv am Unterschenkel gestochen werden. Dort zeichnet die Mikroelektrode auf, in welcher Frequenz der sympathische Nerv feuert. Die Prozedur benötigt spezielles Equipment und geschultes Fachpersonal. Nur wenige sind überhaupt in der Lage, eine solche Studie durchzuführen.

Doch was genau sagt uns die MSNA? Wie können wir sie interpretieren? Wichtig zu wissen ist, dass es sich um eine Ruhemessung handelt. Da der Sympathikus insbesondere unter Stressbedingungen aktiv ist, gibt uns die MSNA Informationen darüber, wie erholt oder gestresst der jeweilige Proband ist. Die Aussagekraft wird dadurch erhöht, dass die MSNA ein relativ stabiler Wert ist, der durch einzelne intensive Belastungen kaum beeinflusst wird. Typischerweise ist die sympathische Aktivität bei trainierten Athleten im Ruhemodus deutlich geringer als bei Untrainierten. Das bringt zahlreiche Vorteile mit sich: Das parasympathische System arbeitet dadurch effizienter und der betreffende Athlet kann besser regenerieren. Eine erhöhte MSNA steht somit für eine verringerte Regenerations- und Anpassungsfähigkeit!

MSNA hoch = Regeneration runter:  Willkommen im Übertrainingssyndrom!

Zu den Ergebnissen: Nach 3 Wochen hochintensivem Training war in der Interventionsgruppe die MSNA deutlich erhöht! Die Kontrollgruppe zeigte keinerlei Veränderung der MSNA, aber Verbesserungen anderer Faktoren wie z.B. der Herzratenvariabilität. In der Interventionsgruppe blieben positive Anpassungen aus. Im Gegenteil, die Leistungsfähigkeit reduzierte sich deutlich. Das ist allerdings nicht weiter verwunderlich, da die abschließenden Messungen 24 Stunden nach Ende der Untersuchung durchgeführt wurden. Die spannende Frage ist: Wie sieht die  Leistungsfähigkeit und die MSNA mehrere Tage nach dem intensiven Trainingsprotokoll aus? Das wurde leider nicht gemessen!

Trotz dieser Kritik ist die Take-Home-Message eindeutig: Auf den letzten Drücker noch eimal alles herausholen zu wollen, bringt keinen Nutzen! Durch die dauerhaft erhöhte Aktivierung des Sympathikus wird die Regenerationsfähigkeit entscheidend gehemmt. Die ist aber die entscheidende Determinante für eine erfolgreiche Anpassung an Trainingsreize. Quintessenz: Vor einem wichtigen Wettkampf sollten gewohnte Umfänge absolviert werden. Wer sich für höhere Umfänge entscheidet, sollte wenigstens einige Tage vor dem Wettkampf die Trainingsintensität reduzieren. Dadurch wird die Aktivität des Sympathikus gedrosselt und der Parasympathikus kann die notwendigen Regenerationsprozesse einleiten.

Coates, A. M., Incognito, A. V., Seed, J. D., Doherty, C. J., Millar, P. J., & Burr, J. F. (2018). Three Weeks of Overload Training Increases Resting Muscle Sympathetic Activity. Medicine and science in sports and exercise, 50(5), 928-937.

2018-07-19T13:36:29+00:0019.07.2018|Medizin|0 Kommentare

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