Zungentraining: Wie Übergewichtige ihre Geschmacksknospen zu neuer Blüte treiben!

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Zungentraining: Wie Übergewichtige ihre Geschmacksknospen zu neuer Blüte treiben!

Warum sind Übergewichtige eigentlich übergewichtig? Die Formel erscheint auf den ersten Blick simpel – wer mehr isst und dadurch mehr Kalorien zu sich nimmt, als er verbraucht, der muss zwangsläufig zunehmen. Doch ganz so einfach ist es nicht! Hinter dem, was man im Fachjargon als gestörtes Essverhalten bezeichnet, stecken nicht nur psychische Aspekte, sondern auch konkrete physiologische Ursachen. Dazu zählen u.a. die Geschmacksknospen auf der Zunge!

Schon nach 10 Tagen ist eine Geschmacksknospe runderneuert – oder auch nicht?

Kurze Einführung: Eine Geschmacksknospe besteht aus ca. 50-100 einzelnen Zellen – jede mit einer eigenen Rolle, um die fünf  Geschmacksqualitäten salzig, süß, bitter, sauer und umami herauszufiltern. Diese Knospen zeigen eine ziemlich schnelle Turnover-Rate: Binnen 10 Tagen wird jede Einzelzelle einmal runderneuert.

Eine aktuelle Studie konnte nun aufzeigen, dass Ratten in einem 8-wöchigen Experiment 25% weniger Geschmacksknospen aufweisen, wenn sie einer hochkalorischen Diät ausgesetzt wurden. Nimmt die Zahl der Knospen auf der Zunge ab, nimmt der Geschmackssinn ab. Dieses Phänomen ist auch beim Menschen bewiesen.

Die Ursache für den Rückgang an Geschmacksknospen ist auch bereits identifiziert: Denn Übergewicht beeinflusst den Turnover-Prozess der Geschmacksknospen negativ. Der Abbau alter Zellen schreitet bei Übergewicht deutlich schneller voran als die Neubildung. Durch dieses Ungleichgewicht von Auf- und Abbau geht die Anzahl der Geschmacksknospen signifikant zurück. Zusätzlich zur gestörten Turnover-Rate entdeckten Kaufman et al. (2018) erhöhte Konzentrationen des Moleküls TNF-α nahe den Geschmacksknospen. TNF-α wird unter anderem von adipösem Fettgewebe ausgeschüttet und löst entzündliche Prozesse aus. Bei dauerhaftem Übergewicht wird dieser Botenstoff (Zytokin) permanent ausgeschüttet, was zu einer chronisch-latenten Entzündung führt – der gleiche Prozess, der auch als Ursache vieler Zivilisationserkrankungen wie Herzinfarkt, Diabetes, Krebs, Alzheimer etc. hoch gehandelt wird.

Interessante Erkenntnis: Weniger Entzündungen gleich mehr Geschmackserlebnis!

In der erwähnten Studie führt die dauerhafte Entzündung zwar nicht gleich zu einer chronischen Erkrankung, aber die Geschmackswahrnehmung ist dauerhaft verringert. Für Übergewichtige kann dieser Zustand fatale Folgen haben: Weniger Geschmackswahrnehmung führt zu weniger Befriedigung. Entsprechend steigt das innere Verlangen nach mehr Nahrung. Was also tun, um die Geschmacksknospen wieder zu neuer Blüte zu treiben? Ganz einfach: Die chronische Entzündung abbauen. Und da sich Geschmacksknospen alle 10 Tage erneuern, sind schnelle Ergebnisse durch entzündungsregulierende Massnahmen wie z.B. die Reduktion des Bauchfetts vorprogrammiert!

Kaufman, A., Choo, E., Koh, A., & Dando, R. (2018). Inflammation arising from obesity reduces taste bud abundance and inhibits renewal. PLoS Biology16(3), e2001959.


2018-04-29T12:11:15+00:0029.04.2018|Medizin|0 Kommentare

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